Wider die Sektierer (III)

100 Jahre nach Zimmerwald: Linke und die Friedensfrage

Dazu gab es eine Konferenz, die sich sehen, hören und lesen lassen kann – und den Sektierern hoffentlich deren Milch ‚der frommen Denkungsart‘ sauer werden lässt. Eine kurze Zusammenfassung:

Defizite im Verhältnis zur Friedensfrage lösen

Konferenz zu 100 Jahre Zimmerwalder Linke in Berlin

Seit Jahren ist stabil eine übergroße Mehrheit der hiesigen Bevölkerung gegen Kriegseinsätze unter deutscher Beteiligung. Doch diese Meinungsmehrheit hält nicht die Straßen und Plätze besetzt, in den Mainstream-Medien findet sie so gut wie nicht statt und von ihr unbehelligt beteiligt sich die Bundeswehr an kriegerischen Auseinandersetzungen, die NATO dehnt sich bis an die Grenzen Russlands aus. Derweil rückt der globale Krieg von den Rändern Europas immer näher, in Form der Flüchtlinge – 80 Prozent fliehen vor Krieg – ist er hier schon angekommen. Mit dieser Zustandsbeschreibung können sich Sozialistinnen und Sozialisten nicht abfinden. Aus diesem Grund haben linke Friedensaktive, auch aus der Partei DIE LINKE, am 04. Oktober d.J. ins Berliner Haus der Demokratie eingeladen zur Konferenz 100 Jahre Zimmerwalder Konferenz: Linke und die Friedensfrage. Imperialismus heute – Differenzen verstehen – Spaltungen überwinden. Der Bezug auf die Zimmerwalder Konferenz legte sich nicht nur wegen des Jubiläums nahe, sondern auch inhaltlich, bildeten doch dort nach dem Burgfrieden der SPD mit dem Militarismus zunächst nur 28 aufrechte Sozialistinnen und Sozialisten die erste Opposition gegen den imperialistischen Krieg, die bald ganz Europa erfassen und umwälzen sollte.

Mit dieser, auch ihrer, Geschichte setzten sich die gut 120 Konferenzteilnehmer zunächst in zwei thematischen Blöcken im Plenum auseinander. Im ersten stellte Prof. Kurt Pätzold, ausgehend von den aus seiner Sicht drei großen Siegen des Imperialismus im vergangenen Jahrhundert: 1918, 1945 und 1990/91, Bezüge von Zimmerwald zum Friedenskampf heute her. Im zweiten reflektierte Dr. Erhard Crome den Imperialismus heute und setzte sich polemisch mit der Dogmatisierung von Lenins Imperialismus-Theorie auseinander. Kommentare von Reiner Zilkenat, Sabine Kebir und Volker Külow vertieften die Themen.

In vier Arbeitsgruppen analysierten die Teilnehmenden, nach kenntnisreichen diskussionsfreudigen Einleitungen, die aktuellen Kräfte des Krieges und des Friedens. Es bestand ein großes Bedürfnis z.B. die Kontroversen in der Friedensbewegung zu verstehen oder sich mit dem Unfrieden auseinanderzusetzen, den die EU stiftet, den Zusammenhang von Krieg und Flucht zu ergründen oder dem untrennbaren, aber nicht immer störungsfreien Verhältnis von Frieden und Antifaschismus nachzugehen. Und überall wurde beraten: Was folgt daraus? Dass die Arbeitsgruppe Gewerkschaften, soziale Bewegungen und Frieden: Wo liegen die Probleme mangels Masse ausfiel, unterstreicht nur, dass es in dieser Dreiecksbeziehung wirklich Probleme gibt, die einer gründlichen Bearbeitung bedürfen.

Bewusst hat der Kreis der Einladenden darauf verzichtet, Parteien oder Repräsentierende von Organisationen um Beiträge zu bitten. Sie wollten vielmehr egalitär Linke, die theoretisch, strategisch und praktisch daran mitarbeiten wollen, Defizite und Probleme im Verhältnis zur Friedensfrage zu beheben, Menschen aus unterschiedlichen Milieus und Denkweisen, eher marxistisch orientiert, im Dialog zusammenführen. Das Konzept ist aufgegangen: Keine aufgeregten Auseinandersetzungen im Talkshow-Format, sondern wohltuend nachdenkliche, intensive und streitbare Diskussionen.

Dabei konnte es auch hoch her gehen, etwa in der Abschlussrunde zu: 100 Jahre nach Zimmerwald: Welche Friedensbewegung brauchen wir? Hier brachen die Konflikte im Verhältnis zu den Montagsmahnwachen und später dem Friedenswinter wieder auf. Tobias Pflüger, stellvertretender Parteivorsitzender der LINKEN, sprach sich dafür aus, mit der Friedensbewegung so, wie sie war, weiterzumachen, ohne Zusammenarbeit mit den „Grenzgängern“ aus dem Kreis der Montagsmahnwachen, die „nach rechts schielen“, Krach in jeder Friedensinitiative verursachten und die Friedensbewegung gelähmt hätten. Vor allem den „Grenzgängern“ widersprach Reiner Braun, Geschäftsführer der IALANA, heftig: „Nazis sind nicht gegen Krieg“. Er plädierte für eine Nichtausgrenzung der Überbleibsel der Montagsmahnwachen, eine Wertschätzung für jene Teile der Friedensbewegung, die seit Jahrzehnten Mut bewiesen und hohe Kompetenz erworben hätten, beide Seiten sollten die Zusammenarbeit suchen, ohne sich gegenseitig zu überfordern. Pedram Shayar, von attac kommender Aktivist der Montagsmahnwachen und des Friedenswinters, warb für eine „Neukonstituierung der Friedensbewegung“ aus den „humanistischen Teilen“ der Montagsmahnwachen und der „alten Friedensbewegung“, die er zugleich scharf kritisierte: als sich in der Ukraine-Frage Angst vor einem Krieg mit Russland breit machte, sei sie nicht präsent gewesen, sie hätte die große Verunsicherung in der Bevölkerung nicht erfasst und stattdessen die Montagsmahnwachen bekämpft. Die Unterscheidung in „alte“ und „neue“ Friedensbewegung, wobei die alte „nichts zustande“ brächte, wollte Wolfgang Gehrcke, stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, so nicht stehen lassen. Man könne sich keine Friedensbewegung aussuchen oder neu konstituieren, man müsse die nehmen, die da ist, und in ihr lernen, sich gegenseitig auszuhalten und miteinander ins Gespräch und in die Aktion zu kommen. Eine linke Parlamentsfraktion sei dabei hilfreich und nützlich. Er strebe an, dass die LINKEN-Bundestagsfraktion einen Antrag zur Auflösung oder dem Austritt aus der NATO einbringe; der ginge an das Staatsverständnis der Bundesrepublik Deutschland und berühre zugleich Spekulationen über eine nahe Regierungsbeteiligung der LINKEN im Bund.

Diese Diskussion, wie auch die anderen, verlangt nach einer Fortsetzung.

Die Vorträge, Referate, Kommentare werden fortlaufend veröffentlich unter www.wolfgang-gehrcke.de/zimmerwald-frieden.

Christiane Reymann

Mehr dazu auf www.wolfgang-gehrcke.de/zimmerwald-frieden. Weiter schreibt Wolfgang Gehrke in einer Mail:

Ihr könnt Euch das Ganze auch auf Video ansehen: Eine 25minütige Dokumentation unter: https://youtu.be/RxTOPwa97sU.

Die Playliste nahezu aller Redebeiträge findet ihr auf: https://www.youtube.com/playlist?list=PLqQ63pPMIdCiEf_Ctc1-yBKHFE4QSNxvz sowie auf www.regenbogentv.de.

Wir würden uns freuen, wenn Ihr die Redebeiträge in interessierten Kreisen verbreiten würdet.

Die tollen Videos verdanken wir der ehrenamtlichen Arbeit von Jürgen Lutterkordt und Ralf Jahn; beide sind neben RegenbogenTV auch aktiv im Friedenskreis Wanfried – www.friedenskreis-wanfried.de. RegenbogenTV ist ein Projekt des Vereins Bildung für Frieden e.V. (www.bildung-fuer-frieden.de), dessen thematischer Schwerpunkt die Dokumentation von sozial- und friedenspolitischen Themen ist. Ihre Links:

www.regenbogentv.de

https://www.facebook.com/regenbogentv.de

Mit herzlichem Dank und solidarischen Grüßen

Wolfgang Gehrcke, Pascal Luig und Christiane Reymann

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Wider die Sektierer

Die „alte“ AKL zerbrach am Streit um den Wert gemeinsamer Haltungen und Aktivitäten mit nicht-kommunistischen Akteuren insbesondere im aktuellen Engagement für den Frieden. „Volksfront“ ist gleich „Querfront“ und in jedweder Spielart des Teufels, so tönten und tönen auch heute die SAV- und die linksradikalen Mitglieder der „neuen“ AKL.

„Man glaubt in jenen Kreisen, es genüge, die kapitalistische Welt anzuschreien, um sie sterben zu lassen“, wird Willi Münzenberg in einem aktuellen Artikel der „jungen Welt“ zitiert.

Diesen Haltungen seien einige Zitate aus dem vorgenannten Artikel entgegen gestellt:

Die IAH rief das Proletariat der kapitalistischen Länder dazu auf, mit Geld- und Sachspenden Solidarität mit den Arbeitern und Bauern der Sowjetunion, Chinas und der geknechteten Kolonien zu üben, und organisierte diese Hilfe. Von linksradikaler Seite erntete die IAH den Vorwurf, als »Arbeitersuppenküche« und »rote Heilsarmee« die potentiellen Revolutionäre bloß zu beköstigen, wo sie andernfalls auf die Barrikaden gestiegen wären. Doch Hungerrevolten sind keine Revolutionen.

»Man glaubt in jenen Kreisen, es genüge, die kapitalistische Welt anzuschreien, um sie sterben zu lassen«, antwortete Münzenberg auf solche Vorhaltungen…

Die IAH führte fortschrittliche Kräfte des Bürgertums und der Sozialdemokratie mit denen des Kommunismus zusammen. Münzenberg gelang es, die vorrangig intellektuelle Philantropie und den humanistischen Antimilitarismus bürgerlicher Kreise mit der internationalen Klassensolidarität auf der Grundlage von Marx, Engels und Lenin zu verbinden. Der kommunistische Verleger blieb dieser Bündnisorientierung auch später treu…

Münzenberg schuf auf diese Weise den zur Organisation bereiten Sympathisanten von gesellschaftlichem Gewicht: Den Fellow-traveller, den Poputschik, den Weggefährten – jene »für den Kommunismus bis heute unentbehrliche, großenteils aus den Reihen der Intellektuellen stammende Hilfstruppe, die, ohne Mitglieder der kommunistischen Parteien zu sein, diesen jedoch tätige Sympathie entgegenbringen und sie durch öffentliche Bekenntnisse moralisch unterstützen…

Neben den historischen, großen Beispielen für die Sinnhaftigkeit eines gemeinsamen Handelns fällt mir zur Illustration auch „Das Glockenspiel des Kreml“ ein, das ich in den fünziger Jahren im „Deutschen Theater“ erleben konnte. 1940 von Nikolai Pogodin geschrieben, schuf Chatschaturjan 1942 eine Bühnenmusik. 1970 wurde das Stück in der SU verfilmt, kam 1971 in die DDR-Kinos und lief 1972 im DFF 2. Der Inhalt kann also nicht so ganz verkehrt gewesen sein…

Russen und trojanische Pferde – ein offener Brief

Sehr geehrte Genossin Labouvie,

Deine Mail vom 5. Mai diesen Jahres (150505-labouvie), die offenbar breit gestreut wurde und so auch mich erreichte,  ist eigentlich „nur“ eine Einladung zur Gesamtmitgliederversammung am 8. Mai – aber einige Textstellen in der Einladung und auch der Mailanhang veranlassen mich, Dir aus Rostock zu schreiben, sogar als offenen Brief (veröffentlicht auf aklmv.wordpress.com). Da gibt es für mein Verständnis zu viel nicht Akzeptierbares. Von einem Mitglied des Landesvorstandes erwarte ich ganz einfach mehr Hintergrundwissen und mehr politische Verantwortung.

Die Russen?

Du schreibst,

… die Menschen in der damaligen SBZ und späteren DDR lernten, dass sie von den Russen befreit wurden“.

Nein, das stimmt so nicht! Die Zeitzeugen erlebten ja unmittelbar, wer sie befreite. Und die später Geborenen haben das hierzulande richtig gelernt: Es war die Rote Armee der Sowjetunion, in der nicht nur Russen dienten, sondern auch Ukrainer, Weißrussen, Usbeken, Kasachen, Georgier, Aserbeidschanen, Litauer, Moldawier, Letten, Kirgisier, Tadschiken, Armenier, Turkmenen und Esten (Aufzählungsreihenfolge entsprechend den Bevölkerungsanteilen). Und die Rote Armee wurde von der Polnische Volksarmee (Ludowe Wojsko Polskie) unterstützt…

Du schreibst weiterhin:

Wer lernte, die Amerikaner hätten “uns” befreit, kann schwerlich verinnerlichen, dass es nun doch die Russen gewesen sein sollen…

Auch hier führe ich die ja noch hier und da lebenden Zeitzeugen ins Feld: Sie erfuhren, dass der Anteil der Amerikaner und Engländer über Jahre hinweg vor allem in der Bombardierung deutscher Wohngebiete bestand, die Betroffenen von ihrem persönlichen Hab und Gut und oft genug auch von Leib und Leben „befreite“, aber die Rüstungsindustrien, die Verkehrsinfrastruktur und andere kriegswichtige Einrichtungen verschonte. Ich denke, wir LINKEN sollten auch das nicht vergessen!

Drei Gedenkveranstaltungen am 8. Mai in Stralsund

In Deiner Mail lese ich weiterhin:

Es gibt drei Gedenkveranstaltungen am 8. Mai in Stralsund …. Ich habe mich interessehalber einmal zum VVN informiert. Die Ergebnisse von Wikipedia (zum Weiterbearbeiten!!!) hänge ich an – auch eine Schrift zum “Trojanischen Pferd” ist angehängt. Manche Informationen stimmen mich nachdenklich“.

Der mir übermittelte Text scheint an dieser Stelle unvollständig zu sein. Offenbar stört Dich, dass in Stralsund auch andere und darunter die VVN-BdA Gedenkveranstaltungen durchführten. Warum eigentlich? Wir hatten in Rostock ebenfalls mehrere Veranstaltungen am 8. und 9. Mai, auf denen jeweils mehrere Organisationen beteiligt waren. Das hat die Teilnehmer nicht erkennbar gestört, eher im Gegenteil.

Du hast Dich offenbar darüber geärgert, dass auch die VVN-BdA eine Gedenkveranstaltung durchführte, und Dich deshalb „interessehalber einmal zum VVN informiert“. Da sage ich zunächst einmal ganz respektlos, das wurde aber auch Zeit! Ein Mitglied es Landesvorstandes, das diese politische Organisation bislang nicht kannte, geschweige denn mit ihr zusammen arbeitet?

Die VVN-BdA und Heinrich Fink

Du hast Dich zwar „zum VVN informiert“, aber dabei sogar übersehen, dass es sich um die Vereinigung der Verfolgen des Naziregimes (VVN) handelt und nicht um „den VVN“. Die Quellen sind auch nicht gerade die besten. Wikipedia ist ja nicht schlecht, aber wie wäre es mit den Originalpublikationen der VVN-BdA, z.B. mit der Webseite http://www.vvn-bda.de/ , http://www.dasjahr1933.de/, http://dasjahr1945.de/, http://neofa-ausstellung.vvn-bda.de/, http://www.npd-verbot-jetzt.de/ und nicht zuletzt das VVN-BdA-Magazin „Antifa“?

Statt dessen entscheidest Du Dich für einen Artikel, der in der Zeitschrift „Freiheit und Recht“ erschien. Die Zeitschrift wird vom „Bund Widerstand und Verfolgung Bayern e.V.“ herausgegeben. Dieser Verein will zwar „Verfolgte oder Widerstandskämpfer einer oder beider Diktaturen in Deutschland von 1933 – 1989 … sammeln“, wurde aber erst 2004 gegründet. Bei näherer Betrachtung erweist er sich als trojanisches Pferd zum Thema „Widerstand und Verfolgung“ und zugleich als stramm antikommunistisch.

Für diesen Verein schrieb ein Herr Dr. Rudolf van Hüllen, Politikwissenschaftler und vorwiegend in der Präventionsarbeit gegen Rechts- und Linksextremismus tätig, über die VVN-BdA als „trojanisches Pferd“ und Du verbreitest diesen schon 2009 erschienenen Artikel (Die VVN-BdA – ein trojanisches Pferd für das Engagement gegen Rechtextremismus – R. van Hüllen) an die Genossen.

Hüllens Vita spricht Bände: Er arbeitete „in der politischen Bildung, unter anderem für die Konrad-Adenauer-Stiftung und das Bildungswerk Verantwortung in Staat und Gesellschaft. Von 1987 bis 2006 war van Hüllen als Referent und Referatsleiter in den Abteilungen Linksextremismus und Linksterrorismus beim Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in Köln tätig. Sein Schwerpunkt lag auf der Auswertung orthodox-kommunistischer, maoistischer und trotzkistischer Bestrebungen. An der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Brühl dozierte er in der Abteilung Verfassungsschutz“ (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_van_H%C3%BCllen).

Auch das beschreibt die Qualitäten des Herrn Dr. van Hüllen:

„2011 publizierte er ein Buch (Linksextrem – Deutschlands unterschätzte Gefahr?) über Linksextremismus mit dem Politologen Harald Bergsdorf.

Nachdem die in der Publikation thematisierte MLPD mit einer Unterlassungsklage vor Gericht gegangen war, kam es zu einem für den Verfassungsschutz „peinlichen Prozess“. Vor Gericht musste van Hüllen die Belege für seine Vorwürfe offenlegen. Er erklärte, die Darstellung der Partei beruhe „zu etwa 50 Prozent auf Verfassungsschutzberichten“. Das Gericht bekundete dazu, es halte von der Beweiskraft dieser Informationen „eher nichts“. Es qualifizierte die meisten der in Rede stehenden Aussagen nicht als Tatsachenfeststellungen, sondern als Meinungsäußerungen, die zulässig seien… Der Schöningh-Verlag wollte das Buch nicht mehr weiter vertreiben, eine Überarbeitung lohne sich nicht… Von 2011 bis Ende März 2013 wurden 1500 Exemplare in den Verkauf gebracht.” (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_van_H%C3%Bcllen).

Diesen Menschen und seinen Text aus 2009 empfiehlst Du also unbedarften GenossInnen zum Nachdenken und Diskutieren?

Es lohnt nicht, sich mit den fünf Seiten wilden antikommunisten und denunziatorischen Auslassungen in Detail auseinanderzusetzen. Allein zwei Aspekte zeigen die Wert- und Charakterlosigkeit des Pamphlets:

  1. Prof. Heinrich Fink wurde „alsbald als IM „Heiner“ der HA XX des MfS enttarnt.“ Gegen diesen Vorwurf, den ihm sein Amtsbruder Gauck eingebrockt hat, ist Prof. Fink mit allen ihm verfügbaren juristischen Mitteln vorgegangen. Aber was konnte das bringen angesichts des Kinkel-Verdikts zur konsequenten Deligitimierung der DDR? Zu den abstrusen IM-Vorwürfe gehört in seinem Fall u.a., dass er als evangelischer Theologe auch „Informationen aus Beichtgeheimnissen und vertraulichen seelsorgerlichen Gesprächen zur Verfügung gestellt habe“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Fink; Hervorhebung der “Beichtgeheimnisse” von mir, Hg.).Prof. Heinrich Fink ist einer der honorigsten, ehrlichsten, aufrechtesten, schätzenswertesten Menschen, die ich in meinem nun schon recht langen Leben kennengelernt habe. Wer ihn versucht herabzuwürdigen, ist in meinen Augen eine ernsthafte Auseinandersetzung nicht wert.
  2. Dr. van Hüllen gehört zu denjenigen, die jede sachliche Kritik an der Politik des Staates Isreal mit Antisemitismus gleichsetzen. Muss man bei solchen Ansätzen noch Zeit verschwenden?

Mein Fazit

Es bleibt für mich unverständlich, wie man einen so eindeutig dem politischen Gegner zuzuordnenden Text als Ausgangspunkt für Nachdenklichkeit und Diskussion über die VVN-BdA nehmen kann. Es ist schwer, in diesem Zusammenhang nicht auf den Terminus „trojanisches Pferd“ zurückzukommen. Auch wenn der – hoffentlich – nicht zutrifft, eines zeigt Dein Hüllen-Bezug sehr klar: Es fällt dem politischen Gegener, es fällt den Herrschenden immer wieder erstaunlich leicht, uns Linksengagierte auseinander zu dividieren. Warum das so ist und wie wir das zukünftig weitgehend vermeiden können, DARÜBER sollten wir nachdenken und diskutieren!

Ein dringend notwendiger Nachtrag

Die dem vorstehenden offenen Brief zugrunde liegende Email der Genossin Christa Labouvie wurde mir von einem sehr vertrauenswürdigen Genossen zugeschickt, zusammen mit der Bemerkung, die Mail sei offenbar weit gestreut worden. Beides, die Vertrauenswürdigkeit des Absenders und die Bemerkung zur breiten Streuung, waren für mich Anlass, mit einem offenen Brief zu reagieren.

Dank der Klarstellung durch Genossin Christa Labouvie stellt sich die Sachlage etwas anders und ziemlich ungut dar: Christa hat die Mail nur an wenige GenossInnen geschickt, denen sie vertraute und von denen sie annehmen durfte, dass sie den Kontext kannten, aus dem heraus die Mail geschickt wurde.

Einer der Empfänger besaß jedoch die Unverschämtheit, Christa’s Mail ungefragt weiterzureichen. Ein(e) Empfänger(in) der ungefragt weitergereichten Mail kürzte dann die Mail um diejenigen Teile, die den Anlass der Mail hätten verdeutlichen können – und schickte die so gekürzte Mail an alle Emailadressen, die ihr/ihm zur Verfügung standen (die sie dann wiederum weiter verteilten). Alle drei Handlungsschritte sind in meinen Augen unredlich, intrigant und eines Mitgliedes unserer Partei zutiefst unwürdig – einer Partei, die zu Recht stets und ständig das solidarische Miteinander betont und es sogar in ihre Grußformel aufgenommen hat.

Auf eine solche Schweinerei muss man erst einmal kommen. Ich war zu naiv, um selbiges zu vermuten und entschuldige mich daher in aller Form und aus tiefstem Herzen bei Christa für den offenen Brief. Ich halten diesen Textnachtrag und meine Entschuldigung für besser als den Artikel zu löschen, denn „das Internet vergisst nichts“. Zugleich kann dieser Nachtrag für andere eine Empfehlung sein, in Zukunft vorsichtiger zu (re)agieren und im Zweifelsfall erst einmal beim Autor einer Mail nachzufragen…

Der schlimme Umgang mit Christa’s Email ändert nichts an meinen inhaltlichen Einwänden zu den „Russen“, zur fehlenden Kenntniss über die VVN und zur unkritischen Übernahme von Verfassungsschutz-Sichtweisen. Aber ich hätte dies alles in einem persönlichen Brief schreiben sollen!

Müssen wir jetzt Absicherungsklauseln wie die nachstehende im Mailverkehr unter Genossen verwenden oder wäre es nicht besser, den intriganten, schäbigen MitmenschInnen jedesmal gehörig die Meinung zu geigen? Wer sich (zusätzlich) formal gegen Verletzungen des Postgeheimnisses, unter das bekanntlich auch Emails fallen, sichern will, der könnte beispielsweise folgenden Textbaustein verwenden (gefunden beim Volkstheater Rostock):

Dieses Dokument ist ausschließlich für den Adressaten bestimmt. Es kann rechtlich geschützte oder vertrauliche Informationen enthalten, die Sie als unrechtmäßiger Empfänger nicht verwenden dürfen. Sollten Sie diese E-Mail irrtümlich erhalten haben, informieren Sie deshalb bitte den Absender und löschen Sie diese Nachricht und alle Anhänge von Ihrem Computer. Vielen Dank.

Ein Nachsatz von Uli Gellermann

„Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

auf meinen Bildschirm landete jüngst eine Mail von Frau Labouvie. Sie hatte sich über die VVN aus WIKIPEDIA informieren müssen, schreibt sie. Und die einzige Text-Stelle, die sie nachdenklich macht ist jene zum “Trojanischen Pferd”. Dort wird auf die Meinung der FDP-Stiftung verwiesen, die der VVN die Qualität eines trojanischen Pferdes attestiert. Das wird die Gründer der VVN freuen: Wahrscheinlich sind sie nur als solche Pferde in die Konzentrationslager gegangen. Und wenn sie dann lebend rausgekommen waren, konnten sie staunend beobachten, dass die FDP jede Menge Ex-Nazis als Mitglieder aufnahm und deshalb 1949 logisch einen „Schlussstrich“ unter die Entnazifizierung forderte. Das macht die FDP bis heute zur Expertin in Fragen des Antifaschismus. Ob man jetzt Frau Labouvie als trojanisches Pferd der FDP bezeichnen kann ist ungewiss. Gewiss ist, dass sie von dieser Partei Ratschläge annimmt, die sie „nachdenklich“ stimmen.

Mit nachdenklichen Grüßen

Uli Gellermann

www.rationalgalerie.de